Reichstag-Adler aus Aluminium im Plenum des Deutschen Bundestags — Nahaufnahme der Flügelskulptur

Vom Wert der Plattformgrammatik

Formatentscheidungen für politische Kommunikation auf Social Media definieren jeden Post. Der User ist die Öffentlichkeit. Er muss direkt und persönlich angesprochen werden.

Die drei Punkte erscheinen, verschwinden, erscheinen wieder. Wer auf eine iMessage wartet, kennt diesen Moment – diese halbe Sekunde Spannung, bevor ein Satz ankommt. Sie ist kein Zufall, sie ist Kalkül. Plattformästhetik ist nie neutral. Sie trägt Bedeutung, bevor der erste Satz erscheint.

Sehgewohnheiten als Strategie politischer Kommunikation auf Social Media

Digitale Plattformen haben eine eigene visuelle Grammatik, die Bedeutung trägt – lange bevor ein Inhalt gelesen wird. Die iMessage-Oberfläche ist nicht neutral. Sie imitiert den Duktus des Privaten – direkte Ansprache, kein Abstand, kein institutionelles Rauschen. Wer dieses Format für politische Inhalte nutzt, borgt sich genau diesen Ton und damit die kommunikative Nähe, die er erzeugt. Wer online im politischen Berlin auffallen will, ohne Form und Linie zu verlieren, braucht Strategie und Taktik. Sie funktioniert im besten Fall subtil.

Formatintelligenz heißt wissen, was ein Format trägt, bevor man es bespielt.

Sehgewohnheiten übertragen – eine politische Social-Media-Kampagne im Messenger-Stil

Im Frühjahr 2025 habe ich eine mehrteilige Social-Media-Kampagne zum Koalitionsvertrag umgesetzt – und die erste Entscheidung war eine Formatentscheidung.

Statt Grafiken mit Statement-Charakter kamen iMessage-Chats und FaceTime-Anrufe. Zwei Bundestagsabgeordnete im direkten Austausch, in einem Format, das aussieht wie ein Gespräch unter Bekannten. Kein Podium, kein Mikrofon, keine Verlautbarung. Der politische Inhalt trat in einen Rahmen ein, der keine institutionelle Distanz signalisiert, sondern Nähe.